
Industrie-, Handels- und Gewerbeverein Untertürkheim seit 1889 - eine bewegte Vereinsgeschichte
Wenn sich auch in der über 100jährigen Vereinsgeschichte die Probleme und Heraus- forderungen, mit denen diese Interessen- gemeinschaft fertig werden musste, geändert haben, eines ist immer gleich geblieben, die Zielsetzung der Gründer: Um Handwerk und Handel in Untertürkheim zu fördern und gemeinsam für diese Belange einzutreten, gründeten im Jahre 1889 genau 59 Gewerbe- treibende den Gewerbeverein Untertürkheim.
Die Gründungsmitglieder, allen voran der erste Vorsitzende, Wilhelm Stierlen, Glasermeister, sahen ihre Aufgabe darin, die Anliegen des Handwerks gegenüber dem Staat und den Behörden zu vertreten.
Das 25jährige Jubiläum, das am 10. Juni 1914 mit einem Bankett begangen wurde, sollte für lange Zeit das letzte große Fest bleiben, das der Gewerbeverein feiern konnte. Ein Ausflug nach Heidelberg rundete einen Tag später das Festprogramm ab. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges – Anfang 1915 stehen 36 Vereins- mitglieder im Feld – sind dem Vereinsleben enge Grenzen gesetzt. Vorstand und Aus- schuss sehen ihre Hauptaufgaben darin, Hilfspakete an die Front zu schicken.
An der Spitze des Vereins stand in der Nach- kriegs- und Inflationszeit Hafnermeister Karl Harrschar. Die Mitgliedszahl wuchs in diesen Krisenjahren auf über 160. 1921 wurde der Vereinsname in Gewerbe- und Handelsverein geändert.
Das 40jährige Bestehen wurde 1929 nur in bescheidenem Rahmen als Familienabend begangen. Zehn Jahre später hätte man ein rundes Jubiläum feiern können – doch 1939 gab es keinen Gewerbe- und Handelsverein mehr. Er war 1933 zwangsweise in die NS-HAGO, die Handels- und Gewerbeorganisation, übergeleitet worden. In den letzten Jahren, 1929 bis 1933 hatte Malermeister Gustav Warth die Belange der Interessengemeinschaft als Vorstand vertreten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, in der harten, entbehrungsreichen Zeit des Wiederaufbaus, fasste auch der Mittelstand allmählich wieder Fuß. Die Gewerbetreibenden in Untertürkheim sahen alsbald wieder die Notwendigkeit sich zusammenzuschließen. Albert Kaiser hat sich mit seinen Bemühungen, einen Neuanfang zu schaffen, besondere Verdienste erworben. Er gilt, was die Neugründung angeht als die treibende Kraft. Die Gründungsversammlung, von 125 Geschäftsleuten besucht, fand am 13. März 1950 statt. Die erste ordentliche Mitglieds- versammlung dann am 24. April 1950. Neuer Vorsitzender des Industrie-, Handels- und Gewerbevereins e.V. Stuttgart- Untertürkheim wurde Baumeister Karl Prinzing. 1960 verzichtete Karl Prinzing aus gesundheitlichen Gründen auf die Leitung des Vereins. Sein Stellvertreter, Karl Mangold, rückte daraufhin an die Spitze des Vereins auf.
Das 75jährige Jubiläum des Gewerbevereins war 1964 Grund genug zum Feiern. Die Feierlichkeiten standen unter dem Motto „Leben und Arbeiten in der Gemeinschaft. Bereits in den 60er Jahren gaben Mitglieder des IHGV erste Denkanstöße für die anstehende Ortskernsanierung. Im Auftrag und auf Kosten des Vereins wurde ein Modell, anhand dessen die Gestaltungsmöglichkeiten aufgezeigt werden sollten, angefertigt. Auf die Durchführung mußte dann doch noch lange gewartet werden.
Die Einrichtung des Weihnachtsmarktes 1974 ging auf die Initiative des Industrie-, Handels- und Gewerbevereins zurück. Ebenso die Ein- richtung des Wochenmarktes.
Das Interesse am Gemeinwohl hat der IHGV natürlich immer behalten. So ging die Schaffung der Arbeitsgemeinschaft Unter- türkheimer Vereine maßgeblich auf Karl Mangold, Vorsitzender von IHGV und TBU, zurück.
1989, zum 100jährigen Bestehen präsentierten sich die Untertürkheimer Firmen im Rahmen einer Leistungsschau auf dem Lindenschul- gelände. Der Erfolg dieser Leistungsschau gab dem IHGV den Anlass diese 1994 nochmals zu wiederholen.
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